Petra Häffner Petra Häffner
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Entwicklungspolitik

 

Baden-Württemberg ist international stark verflochten. Konsequenterweise wurde unter der grün-roten Landesregierung die Zuständigkeit für die Entwicklungspolitik ins Staatsministerium geholt. Wir wollen die Entwicklungspolitischen Leitlinien des Landes im Dialog mit den entwicklungspolitisch aktiven Nichtregierungsorganisationen weiterentwickeln. Mein persönliches Anliegen ist es, soziale und ökologische Kriterien im Beschaffungswesen voranbringen – Landeseinrichtungen und die öffentliche Hand sollen keine Waren mehr beziehen, die in Kinderarbeit oder unter ökologisch fragwürdigen Bedingungen hergestellt wurden. Fairer Handel ist für mich ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung globaler Gerechtigkeit.

Ein weiterer Schwerpunkt ist es, das Globale Lernen in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen zu verankern. Wir müssen lernen im globalen Kontext verantwortungsvoll zu handeln. Dazu müssen die Bildungspläne entsprechend geändert, Lehrkräfte unterstützt und fortgebildet werden. Und es braucht die Zusammenarbeit von Schulen und entwicklungspolitischen nichtstaatlichen Regierungsorganisationen.

Die seit vielen Jahren bestehende Partnerschaft mit dem afrikanischen Land Burundi soll weiter ausgebaut und gefestigt werden. Zur Vernetzung und Koordination von burundischen und baden-württembergischen Projekten soll in der Landeshauptstadt Bujumbura eine Servicestelle aufgebaut werden.

 

ARCHIV

Erfolgreiche Bürgerbeteiligung
Abschlusskonferenz des entwicklungspolitischen Dialogs Welt:Bürger gefragt!...

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Erfolgreiche Bürgerbeteiligung

Abschlusskonferenz des entwicklungspolitischen Dialogs Welt:Bürger gefragt!

Auf der Abschlusskonferenz am 18. September im Stuttgarter Landtag lobte Europaminister Friedrich und die entwicklungspolitischen Abgeordneten der Fraktionen das große Engagement aller am Prozess Beteiligten. Über 1500 Bürgerinnen und Bürger und 120 Initiativen aus Kirche und Zivilgesellschaft, dazu Vertreter von Regierung und Ministerien hatten sich in den Bürgerdialog eingebracht. "Wow, was für eine Kraft haben wir hier in Baden-Württemberg!", sagte Petra Häffner von den GRÜNEN angesichts des großen Engagements.

Ein eigens gegründeter Fachbeirat sammelte und bewertete die Ergebnisse und legte einen Vorschlag für neue politische Leitlinien des Landes vor. Dieser soll nun weiterentwickelt werden. Angestrebt ist eine gemeinsame, parteiübergreifende Verabschiedung der Leitlinien im Landtag.

Als eine der wichtigen Aufgaben, vor die sich die Politik nun gestellt sieht, nannte Petra Häffner die Verankerung der Entwicklungszusammenarbeit als Querschnittsaufgabe in allen politischen Handlungsfeldern: "'Transfairland Baden-Württemberg', das ist ein hervorragendes Gütesiegel für unser Land. Daran wollen wir arbeiten und daran wollen wir uns auch messen lassen!"

Zur Rede von Petra Häffner am 18.09.2012 »»»

 

 

BURUNDI - Meine Reise auf die südliche Erdhalbkugel
Eindrücke aus Burundi, Partnerland von Baden-Württemberg...

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BURUNDI - Meine Reise auf die südliche Erdhalbkugel

Eindrücke aus Burundi, Partnerland von Baden-Württemberg

Burundi war schon in den letzten Wochen in vielen Sitzungen im Landtag Thema, zumal das Land Baden-Württemberg seine langjährige Verbindung zu dem kleinen afrikanischen Staat mit einem Partnerschaftsvertrag besiegeln und festigen möchte. Beeindruckend war der Besuch einer Delegation der Demokratischen Republik Burundi unter Leitung des burundischen Außenministers Laurent Kavakure vom 16. – 18. Mai 2012. Als Sprecherin für Entwicklungspolitik der Grünen hatte ich bei diesem Besuch Gelegenheit zum ersten Kennenlernen und zum Austausch.

Nun konnte ich in den Pfingstferien Burundi auf einer privaten Reise besuchen, mit den eigenen Augen sehen und mit dem Herzen erleben.

Meine zwei Wochen in Burundi waren gut gefüllt. Dank im Voraus geknüpfter Kontakte und Planungen konnte ich täglich mehrere Projekte besuchen. Das Spektrum war weit gefächert: so lernte ich u.a. Wasserprojekte, Sportanlagen und soziale Einrichtungen kennen. Da die Fahrten täglich in andere Regionen gingen, sah ich auch vom Land selbst sehr viel.

Burundi ist in der Größe mit Hessen vergleichbar. Landschaftlich ist Burundi beeindruckend und bietet ein abwechslungsreiches Bild. Es ist bergig und grün und von Flüssen durchzogen. Die Hauptstadt Bujumbura liegt 800 Meter über Meeresspiegel, im Landesinneren finden sich auch Berge von über 2500 Metern. Im Westen liegt der Tanganjika-See. Er ist mit einer Ausdehnung von rund 32.000 km² der tiefste und der zweitgrößte See Afrikas und mit seinen 300 Fischarten eine wichtige Nahrungsquelle für viele Afrikaner. Ab dem Nachmittag zeigte der See Meercharakter mit Wellen, die auf den Sandstrand klatschen. Über den See schauend bleibt der Blick an den Kongobergen hängen.

Die Menschen in Burundi sind ständig in Bewegung. Die meisten sind zu Fuß unterwegs, ein Teil mit dem Rad und wenige mit dem Auto. Das Rad spielt eine große Rolle als Transportgefährt. Alles wird darauf verstaut, oft doppelt so hoch aufgebeugt wie der Radler selbst groß ist. Ein lebendes Schwein habe ich auch einmal auf dem Gepäckträger bestaunen können. Es werden viele Kilometer pro Tag bewältigt, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
Die Kinder haben Schulwege von bis zu zwei Stunden, morgens und abends. Sie tragen keine Schulranzen, haben kein Essen und kein Wasser dabei – aus Armut. Vor und nach der Schule arbeiten die Kinder im Haushalt mit.

Es war für mich beeindruckend zu sehen, was kirchliche, private und auch vom Land Baden-Württemberg geförderte Einrichtungen alles in diesem Land auf die Beine gestellt haben. So können nun 85 Prozent der Kinder in die Schule gehen. Überall werden Krankenhäuser und ambulante Krankenstationen errichtet. Auch liegt ein Schwerpunkt der Entwicklungsarbeit in der beruflichen Ausbildung der jungen Menschen. Ein weiteres großes Projekt ist die Alphabetisierung von Frauen. Es hat mein Herz berührt, wie die Burunderinnen mit Eifer lernen und stolz darauf sind, ihren Kindern etwas aufschreiben zu können oder auch die Haushaltskasse berechnen können. Zu meinem Empfang waren 1200 Frauen gekommen: einfach nur um eine Frau aus dem Land sehen, das das Geld für ihr Projekt gibt.

Burundi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Es gibt kaum Industrie, die meisten Menschen sind von der Landwirtschaft abhängig. Der Export beschränkt sich v.a. auf Kaffee und Tee – Produkte, die stark unter den niedrigen Weltmarktpreisen leiden. Zudem sind die Auswirkungen des Bürgerkriegs noch überall spürbar. Im Alltag fehlt es an vielen Dingen. Für mich sehr einschneidend war das Fehlen von Elektrizität. Nach Einbruch der Dunkelheit ist es in vielen Dörfern und Häusern richtig dunkel. Sich auf den unbeleuchteten Straßen als Fußgänger fortzubewegen ist lebensgefährlich. Alles was nicht am Tag erledigt werden konnte, muss bis zum nächsten Sonnenaufgang warten.

Positiv überrascht war ich über die Sorgfalt, mit der die Menschen dort arbeiten. Alles wirkt gepflegt. Produzierte Ziegelsteine werden akkurat gestapelt, Holz ordentlich gebündelt und selbst auf den Landstraßen wurde am Straßenrand von Hand das Unkraut entfernt. Wir Schwaben können uns durchaus eine Scheibe abschneiden und könnten nur belächelt werden mit unserer Kehrwoche; denn samstags ist von 7-9 Uhr für alle kommunale Arbeit angesagt. Da darf niemand Auto fahren und der öffentliche Bereich wird geputzt und gepflegt!

Meine Reise nach Burundi war eine Reise in eine andere Welt. Ich bin dort mit offenen Armen und offenem Herzen begrüßt worden. Die Gespräche waren intensiv und zeigten mir das breite Bild der offenen Aufgaben. Vor meiner Abreise wurde mir klar, dass ich mit einer Verantwortung wieder heimkehre. Ich bringe das Wissen mit, was es in Burundi schon gibt, aber auch was noch getan werden muss. So bin ich nun am Ideen sammeln und will in meiner politischen Arbeit versuchen, für eine faire Partnerschaft mit unserem Partnerland zu werben

Diese Reise hat mich bewegt. Afrika lässt einen nicht unberührt. Meine Gedanken sind oft in Burundi – auf meinem Gesicht stets ein Lächeln dabei.

Mehr Impressionen von meiner Reise finden Sie hier »»»

 

 

Petra Häffner • Mitglied des Landtags Baden-Württemberg