Petra Häffner, die Sportpolitische Sprecherin der grünen Fraktion hat ausführliche Gespräche mit den betroffenen Landessportverbänden im Landtag geführt über die Folgen des Förderstopps für umweltschädliche Kunstrasenplätze. An dem Treffen nahmen u.a. Vertreter des Württembergischen Fußballverbands, des Landessportverbandes, des Badischen Sportverbands Nord, des Gemeinde- und Städtetags teil.

„Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wir gemeinsam Lösungen für eine Alternative zum Granulat auf Sportplätzen finden“, sagen die Initiatoren des Treffens, die Grünen-Abgeordnete Jürgen Walter und Petra Häffner. Daneben ging es um den Umgang von Fördermitteln bei bestehenden und frisch gebauten Kunstrasenplätzen.

„Als Grüne stehen wir natürlich hinter den Vereinen und Verbänden. Diesen Standpunkt haben wir bei dem Gespräch deutlich gemacht“, sagt die sportpolitische Sprecherin Petra Häffner. „Ich begrüße ausdrücklich, dass die Sportverbände in gleicher Weise hinter dem Umwelt- und Gesundheitsschutz stehen und sich unabhängig von unserer Entscheidung bereits Gedanken über Alternativen zum Granulat gemacht haben. Das bestärkt mich in dem Gefühl, dass wir uns auf einem guten Weg befinden“, sagt Häffner. Einig waren sich alle Anwesenden, dass es bereits genügend Alternativen zum Granulat gebe.

Walter betonte, dass es eine abstruse Idee sei, mit giftigen Substanzen belastete Altreifen zu shreddern und auf lange Sicht in der Umwelt zu verteilen – ohne Rücksicht auf die Folgen für Mensch und Umwelt.

Zur weiteren Förderung von Kunstrasenplätzen

Nach dem Förder-Stopp werden bestehende Plätze in BW zwar nicht abgerissen, jedoch kommen neue Anlagen und Sanierungen nur in den Genuss von einer Landesförderung, wenn auf Granulat verzichtet wird. Einigkeit herrschte auch, dass es aus logistischen und finanziellen Gründen einen – wenn auch zeitlich befristeten - Bestandsschutz für bestehende Anlagen geben würde. DFB und DOSB hatten eine sechsjährige Übergangsfrist vorgeschlagen.

Ungeklärt sind bislang einige Sonderfälle: So liegen in einzelnen Fällen Baufreigaben für Kunstrasenplätze ohne Förderbescheide vor. „Unsere Koalition ist sich einig: Künftig erhalten Vereine nur Landesmittel für Alternativen zum Granulat. Zur Finanzierung schlagen wir vor, dass das Thema im nächsten Solidarpakt Sport aufgenommen wird.“, sagt Umweltexperte Jürgen Walter. Nicht betroffen vom Förder-Stopp seien hingegen bereits ausgestellte Förderbescheide – sie genießen Bestandsschutz, versichert Walter. Dieser wertete vor allem das Bemühen der Sportverbände, selbst bereits genehmigte Kunstrasenplätze so weit wie rechtlich noch möglich ohne Granulat zu erstellen, als sehr positiv.

Zur Suche nach Granulat-Alternativen          

Bei den Gesprächen sei deutlich geworden, dass bereits Alternativen zu gehäckselten Altreifen als Füllmaterial vorhanden seien. „Die Alternativen reichen von über mit Sand verfüllten Plätzen sowie solchen ohne Füllmaterial. Teilweise würde auch Kork genutzt, aber diese Nutzung sei ebenfalls nicht unumstritten. Für manche Sportverbände sei aber auch der Naturrasen der Platz der Zukunft. Egal wofür man sich entscheidet, für uns Grüne sind die Kriterien der Bespielbarkeit, des Umweltschutzes und der Langlebigkeit von zentraler Bedeutung. Daher kommt für uns der sogenannte Hybridrasen nicht in Frage, da seine Entsorgung große Umweltprobleme mit sich bringt. Fakt ist, seit Jahren werden diverse Alternativen zum Granulat erfolgreich eingesetzt, wie z.B in Benningen oder Leonberg. Ich gehe zudem davon aus, dass die Industrie noch weitere Möglichkeiten entwickeln und anbieten wird“, sagt Walter. Zum politischen Hintergrund

Die EU-Kommission will den Einsatz von Mikroplastik drastisch reduzieren. Gummigranulate aus Kunstrasenplätzen sind nach einer neueren Untersuchung die fünftgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland. Deshalb stimmte der Landtag Anfang Juni für ein Ende der Förderung von Granulat.

Im März hatte sich eine EU-Behörde dafür ausgesprochen, auf winzige Plastikteilchen – und somit auch auf Kunstrasen-Granulat – künftig weitgehend zu verzichten. Das Verbot soll ab 2022 gelten. „Weiter zu fördern, obwohl das EU-Verbot naht, ergibt keinen Sinn. Um einen verbindlichen Rahmen zu schaffen, haben wir uns für einen Förderstopp ausgesprochen – jetzt können sich Vereine, Verbände und Kommunen mit ausreichendem Vorlauf darauf einstellen“, sagt Walter.

Eine große Rolle in dieser Entscheidung spiele der Gesundheitsschutz. „Granulat landet nicht nur auf den Spielfeldern: Über die Kanalisation gelangt das Mikroplastik in unser Trinkwasser und damit in unsere Körper“, sagt Häffner.

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