Fachgespräch in der grünen Landtagsfraktion

Das Phänomen E-Sport:  Zehntausende Zuschauer im Stadion, über 40 Millionen Fans vor dem Bildschirm, ein Preisgeld über 6 Millionen Euro. Kontinuierlich steigende Zuschauer- sowie Nutzerzahlen. Wettkämpfe auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Die Branche boomt!

Die Fraktion Die GRÜNEN im Landtag hatte Expert*innen aus  Sport, Wissenschaft und der Gaming-Branche zum Fachgespräch geladen. Ist E-Sport eine Sportart, die unter das Dach des Landessportbundes gehört? Sind Shooter-Spiele mit den Werten des Breitensports wie Fairness und Gewaltfreiheit vereinbar? Ist eSport wirklich Sport oder wird nur gezockt? Welches Potential liegt im eSport? Solche und andere Fragen wollte Petra Häffner MdL als sportpolitische Sprecherin mit den Podiumsgästen und weiteren rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörern klären.  

Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz thematisierte in seiner Begrüßung die Herausforderung, die die Digitalisierung auch für den Sport bedeutet. Er forderte auf, sich Gedanken zu machen, mit welchen Werten und Prinzipien wir die neuen digitalen Wege gerade auch im Sport gehen.

 

Prof. Dr. Carmen Borggrefe vom Sportinstitut der Universität Stuttgart  stellte in ihrem Impulsvortrag grundsätzlich die Frage,  ob Spielen von Computer- und Videospielen die strukturelle Integration in den organisierten Sports brauche. Sie sieht im  „eSport“ eine Konkurrenz für den organisierten Sport. Es gäbe zwar keine allgemeingültige Sportdefinition, doch eSport würde in vielen Punkten den organisierten Sport entwerten: „eSport ist primär kommerziell, nicht gesundheitsfördernd. Aufgrund  nicht vorhandener Kommunikation im Spiel gebe es keine Sozialdynamik. "Bei 99% der Spiele geht es lediglich um das Töten und Zerstören, was mit den ethischen Werten des Sports nicht vereinbar ist“, so Borggrefe.
Demgegenüber stellte Hans Jagnow, Präsident des eSport- Bund Deutschland (ESBD) eSport in den Zusammenhang mit der Digitalisierung und den heutigen Bedürfnisse der Gesellschaft. Er stellt die „Motivation“, sowie den Wettkampf und das Training als entscheidende Merkmale für Sport in den Mittelpunkt seines Sportbegriffs. „Wir müssen uns auf eine breitere Sportdefinition einlassen – bei eSport geht es auch um die Beherrschung der Spielgeräte, letztlich um die Beherrschung des Spiels“, so Jagnow.

Aus der Praxis des VfL Herrenberg hält der Geschäftsführer Timo Petersen fest: „ In unserer neugegründeten eSport-Abteilung möchten die Jugendlichen einfach nur ihr Hobby des Zockens teilen- sie wollen in Gemeinschaft sein. Diese Form des eSports unterstützen wir im Sport“. Einen wesentlichen Unterschied zwischen dem traditionellen und dem eSport sieht Petersen: Bei eSport geht Selbstbestimmung des Trainers verloren.  Auch Tobias Müller, Vorsitzender der baden-württembergischen Sportjugend bestätigt dies:„Unser höchstes Gebot ist die Autonomie des Breitensports, die ich mit dem eSport an den Spielehersteller abgeben würde, den der bestimme die Regeln“ so Müller. Die Vertreter der Vereine waren sich einig, eSport als zusätzliches Spiel-und Freizeitangebot, aber eben nicht als eigene Sportart in den Verein integrieren zu können. 

Der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Dieter F. Braus bewertet eSport aus anderer Sicht kritisch: „ Menschen brauchen keinen Sport, Menschen brauchen Bewegung“, so Braus provozierend. Bewegung sei ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen – insbesondere aber von Kindern und Jugendlichen. Dem könne eSport nicht gerecht werden. 

Auch die anschließende Diskussionsrunde mit dem Publikum zeigte, dass es viele unterschiedliche und durchaus kontroverse Meinungen gibt, was das Verhältnis von Sport und eSport angeht. „Bis Herbst will sich die Landtagsfraktion der GRÜNEN  positionieren“, kündete Petra Häffner abschließend an. 

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